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"KONTRASTE -
Vokalmusik aus 5 Jahrhunderten"

Sonntag, 01. Juni 2008 18 Uhr

Kirche im Ursulinenkloster, Dorsten

Brahms-Chor Dorsten

Gäste: Ton-Art, Gelsenkirchen

Musikalische Leitung: Alfred Schulze-Aulenkamp
   
     

Herausragende Akzente
Brahms-Chor brillierte am Sonntagabend mit einem reinen a-capella-Programm

DORSTEN - Seit 1994 sorgt der Brahms-Chor für herausragende Akzente im Dorstener Musikleben – so auch am Sonntag in der Kirche vom Ursulinenkloster zum Abschluss des Altstadtfestes.

Zu hören war erstmals ein reines a-capella-Programm, dessen hohen Anforderungen die ca. 30 Sänger und Sängerinnen gut gewachsen waren. Feines Gehör, physische Leistungsfähigkeit und hohe Präzision waren gefragt.

„Kontraste“ sollten vermittelt werden: Im Gegensatz zum Vorjahr, wo mit dem opernartigen Rossini-Werk „Petite Messe Solennelle“ ein einzelnes abendfüllendes Werk aufgeführt wurde, konnten die Zuhörer in der voll besetzten Kirche diesmal ein großes Spektrum von kurzen Chorstücken aus fünf Jahrhunderten genießen. Dabei wurden verschiedene Musikstile und Regionen einander gegenüber gestellt. Für zwei alte Werke von Claudio Monteverdi und Heinrich Isaac nahm der Chor eine nach Stimmlagen bunt gemischte Aufstellung ein, so dass praktisch alle ihre Stimme wie Solisten singen mussten. Für die Gegenüberstellung mit zeitgenössischen Chansons von Francis Poulenc standen Sängerinnen und Sänger wieder in Stimmblöcken. Die französischen Texte seien sehr metaphorisch formuliert und könnten nicht ins Deutsche übersetzt werden. Das Publikum solle einfach seiner Phantasie freien Lauf lassen. Dann werde sich schon erschließen, worum es hier geht, so Chorleiter Alfred Schulze-Aulenkamp. Der Chor schaffte es hervorragend, die Werke in der jeweiligen Muttersprache des Komponisten zu interpretieren. Besonders die skandinavische „Klangmusik“ soll auch in Zukunft ein Schwerpunkt in der musikalischen Arbeit des Brahms-Chores sein. Alfred Schulze-Aulenkamp hat nach der Übernahme der Chorleitung vor sieben Jahren das Repertoire in dieser Richtung stark erweitert. Der besondere Charakter der schwedischen Sprache macht für ihn zusammen mit der typischen musikalischen Ausdrucksweise eine künstlerische Einheit aus und sei für eine angemessene Interpretation unabdingbar. Den skandinavischen Klängen wurden im Konzertprogramm textbetonte Prévert-Vertonungen des im letzten Jahr verstorbenen Harald Genzmer entgegen gesetzt. Diese witzig skurrilen Texte forderten die Artikulationsfähigkeit des Chores heraus. Zuerst wurde die „Rechenstunde“ einstudiert – eine Hommage an die vielen Lehrer im Brahms-Chor, erzählte Schulze-Aulenkamp dem Publikum. Nach diesen ersten (Kost-)Proben hatten die Sänger „Blut geleckt“ und wollten mehr – mehr Prévert und mehr Genzmer! Ein ganzes Jahr hat sich der Brahms-Chor auf dieses Konzert vorbereitet.

Im Wechsel mit dem Brahms-Chor trat der Frauenchor TonArt von der Städtischen Musikschule Gelsenkirchen auf. Im ersten Teil sangen die 25 Frauen vierstimmige geistliche Lieder aus der Feder von Zeitgenossen wie Colin Mawby, Javier Busto und Knut Nystedt. Im zweiten Teil interpretierten sie romantische Musik zum Thema „Frühling“ von Johannes Brahms, Arnold Mendelssohn und Max Reger mit schönen, hellen, homogenem Klänge.

Sabine Bornemann, Dorstener Zeitung, 03.06.2008

     

Wortwitziger Großstadtpoet
Mit frechen Chansons nach Jacques Prévert einerseits und erhabenen Marienliedern andererseits machte das Chor-Programm „Kontraste“ seinem Namen alle Ehre, gesungen vom Brahms-Chor und „TonArt“

DORSTEN - Mit dem Programmtitel „Kontraste“ versprach der Brahms-Chor am Sonntagabend in der St. Ursula Kirche eine Menge – und hielt das allermeinste. Manchmal jedoch ging die wilde Reise durch die verschiedensten Epochen trotz technischer Perfektion auf Kosten der Nachhaltigkeit.

Der Gelsenkirchener Frauenchor „TonArt“ war der Einladung der Dorstener gefolgt, und gemeinsam gestalteten die Chöre unter der musikalischen Leitung von Alfred Schulze-Aulenkamp einen stilistisch abwechslungsreichen Abend in den klangvollen Gemäuern der St. Ursula Kirche.

Das fünfteilige Konzertprogramm hielt einige besondere Perlen bereit, und wurde auch sonst vom bewährt reinen Klangbild der Chöre auf einem hohen Niveau gehalten.

Den Auftakt gab der Brahms-Chor mit dem modernen Chorwerk „Viva la musica“ aus der Feder des gebürtigen Ungarn Iván Eröd. Daran anschließend präsentierten die Sänger drei berauschende Titel des vor einem Jahr verstorbenen Münchener Komponistenprofessors Harald Grenzmer.

Die erste der drei mitreißenden Vertonungen des französischen Lyrikers Jacques Prévert forderte die Artikulationsfähigkeit des Chores aufs Äußerste heraus. „Wie man einen Vogel malt“, so der skurrile Titel des Werkes, gelang den Sängerinnen und Sängern ausgezeichnet. Jede Finesse des agressiven Wortwitzes des Großstadtpoeten Prévert war gut verständlich und traf ins Mark. Nicht anders verhielt es sich bei dem kurzen Titel „Stadturlaub“ und der surreal anmutenden „Rechenstunde“.

Nach diesen verwegenen weltlichen Kompositionen sang der Frauenchor geistliche Musiken aus dem 20. Jahrhundert, die fast ausschließlich Marientexte verwendeten. Erhabene Gesänge, breite Klangbögen und eine zarte Innigkeit im Ausdruck wurden vom Publikum mit anhaltendem Beifall belohnt.

Der Brahms-Chor legte bei seinem zweiten Auftritt das Augenmerk auf Kompositionen des 16. und 17. Jahrhunderts. Chorlied und Madrigal von alten Meistern wie Claudio Monteverdi wurden mit den modernen Chansons von Francis Poulenc kontrastiert.

Stimmsicher spannte der Chor einen dramatischen Bogen vom Barock bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts.

Das letzte Kontrastpaar des Abends bildeten die Musiker mit deutschen und skandinavischen Volksliedbearbeitungen. Während die Gelsenkirchener Gäste Werken von Brahms bis Reger ihre Stimme gaben, widmete sich der Brahms-Chor den nordischen Klängen. Insbesondere mit fünf Titeln des Schweden Wilhelm Peterson-Berger entzündeten die Sänger die Begeisterung des Publikums. Die bildreichen Naturschilderungen offenbarten sich im intensiven und raumgreifenden Gesang des Chors.

Mit einem schwedischen Volkslied von Hugo Alfvén und einer getragenen Zugabe ging nach rund 90 Minuten ein kontrastreiches Konzerterlebnis zuende.

Judith Abel, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 03.06.2008