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Carl Orff

CARMINA BURANA


Sonntag, 12. Oktober 2003, 18 Uhr

Aula der Realschule St. Ursula, Dorsten


Brahms-Chor Dorsten
Jacqueline Treichler, Sopran
Burkhard Fritz, Tenor
Christoph Scheeben, Bass
Kinderchor der Städt. Musikschule Gelsenkirchen
David Cavelius, Klavier
Antonius Stoitsoglou, Klavier
Percussions-Ensemble der Bergischen Symphoniker

Musikalische Leitung: Alfred Schulze-Aulenkamp
   
     
Die Kraft des gesungenen Wortes
Dorsten - Carl Orffs "Carmina Burana" in Dorsten aufgeführt, das hat schon einen hohen Stellenwert. Und so wunderte es nicht, dass die Aula der St. Ursula Realschule bis auf den letzten Platz gefüllt war. Das Herbstfest der Stadt gab dazu den vitalen Hintergrund...
Die farbenfrohe Kleidung des Chores signalisierte Heiterkeit, oder ländliches Festgebaren, so wie es in "Uf dem Anger" oder auch "In Taberna" der Carmina Burana schon angelegt ist.Wer jedoch das instrumentale Kolorit der Urfassung Orffs im Ohr hat, musste sich auf die Version für Schlagzeug und zwei Klaviere etwas umstellen. Doch hatte die Reduktion von Klangfarben zu Gunsten der rhythmischen Prägnanz durchaus auch Vorteile.Alfred Schulze-Aulenkamp ergriff vehement in seinem Dirigat diese elementare rhythmische Urgewalt des Werks und teilte sie energisch, ja suggestiv mit. Dieser Brahms-Chor ist in einer hervorragenden Form. Absolut sicher im technischen Bereich - zum Teil sang man losgelöst vom Notentext - erwuchs ihr farbenreicher "Sprechgesang" zum dramatischen, höchst musikalischen, werkgerechten Musikerlebnis. Korrespondierend mit dem Kinderchor der Städtischen Musikschule Gelsenkirchen, die sich wie himmlische Stimmen von oben, von der Empore der Aula, meldeten, fügte sich das "Welttheater" Orffs zwischen Himmel und Erde zum kosmischen Ganzen.
...Blumen und langanhaltender Beifall des Publikums provozierte die Fortsetzung solcher brillanten chorischen Konzertereignisse in Dorsten.
Volker Wiltberger
Ruhr Nachrichten - 13. 10. 2003
     
Klostergesänge mit satter Sinnlichkeit
Dorsten. Dreimal holte der anhaltende Applaus Dirigent und Gesangs-Solisten zurück auf die Bühne der St. Ursula-Realschule. Alfred Schulze-Aulenkamp und der Brahms-Chor durften sich für eine teils mitreißende Interpretation der "Carmina Burana" verdient feiern lassen. Carl Orff gelang die vielleicht populärste "E"-Musik des 20. Jahrhunderts - gerade weil seine Vertonung altbayerischer Klostertexte in ihren knalligen Grundfarben und dem weitgehenden Verzicht auf Kontrapunkt eben nicht nach Moderne klingt, sondern nach einem teils romantisch verklärten Mittelalter. Der treibende, insistierende Rhythmus von "Fortuna Imperatrix Mundi" mag für die meisten Hörer die Essenz dieser Gesänge aus Benediktbeuren bedeuten. Dabei bot der bestens eingestimmte Brahms-Chor mit den beiden folgenden Sätzen "Primo vere" und "Uf dem Anger" weitaus mehr zu entdecken: Eben nicht nur den Orff der druckvollen Primitivismen - ein Fest für die fünf Percussionisten der Bergischen Symphoniker - sondern auch den zarten Romantiker Orff, der den Frühlingsreigen mit strahlenden Stimmen feiern ließ. Geschmeidig fügte sich der erste Solist des Abends, Bass-Bariton Christoph Scheeben, dem vom Dirigenten hingebungsvoll gebotenen zarten Ansatz im Jubel über "Omnia sol temperat". Dass dieser Sänger auch als Schauspieler geübt ist, war jedem seiner wandlungsfähig gestalteten Auftritte anzumerken. Die jungen Pianisten zeigten sich bei ihrem kurzen Duo "Auf dem Anger" in ungleicher Form: Hier holperte der in der Begleitung der Stimmen sonst so stetig pochende Tanzschritt. Der Brahms-Chor dagegen bewies sich in diesem Satz als verlässlich dichtes Gefüge, gestaltete ein flirrendes Wechselspiel von Sopran- und Tenor-Stimmen und verdiente sich und dem mit Verve dirigierenden Alfred Schulze-Aulenkamp ersten Applaus.
...Trotz recht unterschiedlicher Solisten-Leistungen strahlte diese "Carmina Burana" mit einer Geschlossenheit und Freude, wie sie der Brahms-Chor auch als farbenfrohes Bild vermitteln wollte: Mit Bedacht hatten sich die Sängerinnen und Sänger mit bunten Blusen und Hemden ausstaffiert. Für ein so lebenspralles Werk setzte der Mut zu Farben das exakt richtige Ausrufezeichen.
Ralph Wilms
WAZ 13.10.2003