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Cantate Domino

Sonntag, 18. Sept. 2005, 20 Uhr

Kirche im Ursulinenkloster, Dorsten

Brahms-Chor Dorsten

Simone Juste, Sopran
Heike Fleckenstein, Flöte
Klaus Baumeister, Violoncello
Julia Wunsch, Orgel
Musikalische Leitung: Alfred Schulze-Aulenkamp

Werke von Palestrina, Schütz, Schein, Bruckner,
Mendelssohn-Bartholdy, Burleigh, Miskinis

   
     
Stimmsicher und ausdrucksstark
Brahms-Chor begeisterte am Wahlsonntag in St. Ursula mit einem anspruchsvollen Konzert geistlicher Chorwerke aus fünf Jahrhunderten: "Cantate Domino"

Dorsten."Cantate Domino" oder "Singet dem Herrn", so hieß es am Sonntagabend in der St. Ursula-Kirche: Der Brahms-Chor unter der Leitung von Alfred Schulze-Aulenkamp präsentierte Chormusik aus fünf Jahrhunderten. So unterschiedliche Werke wie Johann H. Scheins "O Herr, ich bin dein Knecht" und
Anton Bruckners "Locus iste" gleichermaßen adäquat zu interpretieren, war eine Herausforderung, die man im Verlaufe des Abends jedoch sehr souverän meisterte.
...So wie die beiden Orgelwerke des Abends einen riesigen Zeitraum umspannten, so tat es der Brahms-Chor mit seinen Werken auch. Schon das erste Stück deutete das an: Ausgehend von einem Bach-Choral, entwickelte sich das Stück in der Bearbeitung von Knut Nystedt aleatorisch", also nach dem Prinzip des "unkontrollierten Zufalls", das vor allem auf John Cage zurückgeht. Das organisierte Miteinander der Stimmen zerfloss zu dissonanten, nicht mehr synchronisierten Klangflächen, die raumgreifend und sehr intensiv wirkten, und zwar nicht nur, weil der Chor das Publikum dabei in einem großen Halbkreis umspannte. Sehr stimmsicher und ausdrucksstark gelangen viele der Werke des 16. und 17. Jahrhunderts. Der lineare Spannungsverlauf der Einzelstimme und die Ausgewogenheit des Gesamtklanges schlossen einander nicht aus; Homogenität und Transparenz entwickelte man ganz nach
den Erfordernissen der Sätze.
Ein Highlight aus dem Bereich der modernen Chormusik: Ernani Aguiars "Salmo 150", eine lautmalerische Vertonung des großen Abschlusspsalms, die trotz des enormen Tempos, mit dem manche Textpassagen hervorgebracht werden mussten, sehr exakt und auch musikalisch fulminant wirkte.
WAZ, Dr. Bernd Leiting

     
Singet dem Herrn!
Brahms-Chor gefiel mit großer geistlicher Musik aus fünf Jahrhunderten

...Vor allem aber ließen sich die Zuschauer auf ein Konzert ein, das rund um den Chor als Klangkörper konzipiert war. Und bereits zu Beginn wurde deutlich, was man unter dem Begriff "Klangkörper Chor" zu verstehen hat: Der Brahms-Chor umringte die Zuschauer und "überschüttete" sie mit den ineinander verschmelzenden Tönen des "Immortal Bach", einer Bach-Bearbeitung von Knut Nystedt - ein ergreifendes Klangerlebnis.
Und auch die vorgetragenen zeitgenössischen Werke des Litauers Vytautas Miskinis und des Brasilianers Ernani Aguiar warteten mit malerischen, interessanten und ständig in Bewegung befindlichen Gesamtklangbildern auf.
Diese Art der Komposition kontrastierte der Brahms-Chor mit textorientierten Stücken von Heinrich Schütz oder Johann Hermann Schein. Mischformen des kompositorischen Einsatzes von Text und Melodie präsentierten ein äußerst konzentriert agierender Schulze-Aulenkamp und der Brahms-Chor mit Werken von "Klassikern" wie Anton Bruckner und Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Das Aufzeigen der Vielfalt in der Art, wie "dem Herrn gesungen" wird, ist dem Brahms-Chor mit "Cantate domino", auch nach dem minutenlangen Applaus zu urteilen, gelungen.
Dienstag, 20. September 2005
Dorstener Zeitung